Hintergründe der Projektarbeit (2001)
Unzählige Tierarten werden in der heutigen Zeit mehr und mehr gefährdet, auch Papageien bilden hier keine Ausnahme. Hauptgründe für die meisten Populationsrückgänge unter den Papageienvögeln sind die Lebensraumvernichtung, der Fang für den internationalen Handel und die Jagd. Auch die Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars wird von diesem menschengemachten Wahnsinn nicht verschont. Hier wirken sich die vorgenannten Eingriffe noch gravierender aus, denn Madagaskar beheimatet 5 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten der Welt. Über 50 Prozent aller dort lebenden Vogelarten sind nur auf Madagaskar heimisch.
Einige Wissenschaftler sind der Ansicht, dass bis zu 150 000 Pflanzen- und Tierarten allein auf dieser Insel zu finden sind. Im Jahr 1996 waren 120 Tierarten Madagaskars aufgrund der Entwaldung und der Eingriffe des Menschen in die Natur vom Aussterben bedroht. Einige Hundert sind bereits ausgestorben. Einer Papageienart könnte in naher Zukunft dasselbe Schicksal ereilen, wenn nicht sofort gehandelt wird - dem Kleinen Vasapapageien.
Noch im Jahr 1992 wurde der Status des Kleinen Vasapapageien, außer der Subspezies Coracopsis nigra barklyi (jetzt Coracopsis barklyi), als häufig bezeichnet. 10 Jahre später stellt sich die Situation bereits völlig anders dar, denn mittlerweile sind auch die direkt auf Madagaskar heimischen Unterarten Coracopsis nigra nigra und Coracopsis nigra libs stark in ihrem Bestand gefährdet. Selbst die einheimischen Vogelfänger schlagen schon Alarm. Der Große Vasapapagei (Coracopsis vasa) ist auf der Insel nach wie vor anzutreffen und wird auch noch zahlreich für den Handel gefangen, wohingegen der kleinere Vertreter kaum noch Beute der Vogelfänger wird, und dass nicht darum weil diese Art besonders vorsichtig geworden ist und selbst die perfektesten Fangmethoden von den Vasapapageien sofort als solche erkannt werden. Nein, der Kleine Vasapapagei ist mittlerweile wesentlich seltener in seinem Verbreitungsgebiet vertreten. Und auch von Madagaskarreisenden wird der Populationsrückgang des Kleinen Vasapapageien mit großer Sorge betrachtet.
Zu schaffen macht dieser Papageienart die anhaltende Vernichtung ihrer Lebensgrundlage. Bereits im Jahr 1992 sind 80 Prozent der madagassischen Regenwaldgebiete zerstört worden. Ursache für diese großangelegten Abholzungen ist das Fällen der Bäume zur Herstellung von Holzkohle und die Schaffung landwirtschaftlicher Nutzflächen, einschließlich der Erschließung von Weideflächen für die Viehwirtschaft. Die Brandrodung ist als billige Variante für die verarmte Bevölkerung Madagaskars oftmals ein kostengünstiger Weg sich Waldgebiete urbar zu machen.
Bei einer anhaltenden Entwaldungsrate von derzeit noch 0,80 Prozent wird Madagaskar nach Angaben einiger Wissenschaftler in ungefähr 25 Jahren nahezu entwaldet sein. So waren 1995 nur noch 26 Prozent der Gesamtfläche Madagaskars bewaldet! Es ist auch damit zu rechnen, dass die sehr hohe Bevölkerungswachstumsrate Madagaskars (2,79 Prozent in Jahr 2000) zur Vernichtung weiterer Waldgebiete führen wird. So hat sich allein zwischen 1975 und 2000 die Zahl der Bevölkerung verdoppelt - eine gigantische Belastung für die Umwelt und keine guten Aussichten für die Zukunft des Kleinen Vasapapageien.

