Ein Zertifizierungssystem ist von einem dafür einberufenen Fachbeirat im Jahr 2010 erarbeitet worden. Am Rande einer Vogelausstellung im Jahr 2011 in Leipzig-Markkleeberg haben sich verschiedene Züchter mit ihren Tieren vorgestellt und von einem Fachgremium die Artenreinheit der mitgebrachten Vögel überprüfen lassen. Wir haben uns dabei zum gegenwärtigen Stand nur nach dem phänotypischen Merkmalen der einzelnen Individuen richten können; dies bedeutete aber gleichzeitig eine gewisse Vorauswahl zu treffen und eindeutig zu erkennende Mischlinge sowie farblich veränderte Vögel zu identifizieren.

Ziel war es jedes einzelne Exemplar zu zertifizieren, dass bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Diese Kriterien wurden erfüllt wenn das Individuum artenrein, mutationsfrei und gesund erschienen. Als Möglichkeit direkter Vergleiche zu Individuen der Wildpopulation einer Spezies werden unterschiedliche Handhabungen praktiziert. So werden Messdaten aus bereits erschienenen Veröffentlichungen mit den Messwerten der Gefangenschaftsvögel verglichen. Es werden Messungen an solchen Museumsbälgen durchgeführt, die zweifelsfrei aus den Ursprungsländern der jeweiligen Spezies stammen. Daraus werden Datensammlunge angelegt, die für direkte Vergleiche mit Gefangenschaftsvögeln zur Verfügung stehen. Gleichfalls werden Fotodokumentationen von diesen Sammlungsstücken angefertigt, die das phänotypische Abbild der wildlebenden Vögel darstellen und als Vergleich dienen. Letztendlich werden aber auch Freilandfotos von Afrikareisenden für die phänotypischen Vergleiche genutzt, oder F2- bzw. F3-Nachzuchten von Direktimporten.

Die nachfolgenden Ausführungen sind keinesfalls endgültig und werden im Laufe der Zeit durch die Arbeit des Fachbeirats ergänzt beziehungsweise geändert. Grob formuliert werden die Bedingungen dieser drei Kriterien wie folgt sein:

Artenreinheit

Ein Angehöriger der Gattung Agapornis kann als artenrein gelten, wenn er dem gleichartigen Vogel aus der Freiheit in allen Details ausnahmslos ähnelt und sein Aussehen zudem mit der Erstbeschreibung dieser Spezies übereinstimmt. Gewisse Variationsbreiten in Größe und Gestalt eines jeden Exemplars werden zugelassen, das strikte Handeln nach vorgegebenen Zuchtstandards verbietet sich von selbst. Beispielsweise kann auch die Größe des Kehlflecks beim Rußköpfchen von Individuum zu Individuum in seiner Ausdehnung variieren.

Einige Hybridmerkmale sind bereits unter der Rubrik Probleme aufgeführt, die erste Anhaltspunkte für weitere Prüfungshandlungen liefern. Die Möglichkeit des Erkennes von artenreinen und spalterbigen Agaporniden mittels molekulargenetischer Untersuchungen wird derzeit geprüft. Zu gegebener Zeit wird an dieser Stelle über das Ergebnis der Prüfungshandlungen berichtet.

Mutationsfreiheit

Nach optischen Gesichtspunkten gilt der Angehörige einer Agapornis-Spezies erst einmal als mutationsfrei, wenn es in seinem äußeren Erscheinungsbild mit einem gleichartigen Exemplar aus der ursprünglichen Heimat dieser Spezies farblich detailliert übereinstimmt. Sollten sich hier deutlich erkennbare farbliche Veränderungen darstellen ist dies ein erstes Zeichen einer mutationsbedingten Farbabweichung. Auf Anhieb schwierig zu erkennen werden die spalterbigen Agaporniden sein, die äußerlich durchaus wildfarbenen Exemplaren ähneln können aber den veränderten Farbfaktor in ihren Genen verankert haben. Verpaart man solche spalterbigen Vögel mit mutationsfreien Vögeln wird es bei nachfolgenden Generationen dieser Verpaarung durchaus wieder zu farblichen Abweichungen kommen; die zuvor verdeckten Erbinformationen (Mutationen) werden dann sichtbar. Bedauerlich ist, dass dann alle Verwandten aus dem Zuchtprojekt ausgegliedert werden müssten.

Eventuell lassen sich auch spalterbige Vögel als solches durch die bereits erwähnten molekulargenetischen Untersuchungsmethoden ermitteln. So könnte es anhand einer Feder- oder Blutprobe eventuell möglich werden verdeckte Mutationen bei einzelnen Vögeln zu erkennen und das Risiko einer Weitergabe dieser Erbinformation an nachfolgende Generationen weitestgehend zu verhindern. Die Möglichkeit muss jedoch auch erst noch detailliert geprüft werden.

Gesundheit

Gesund ist ein Vogel wenn er äußerlich einen vitalen Eindruck erweckt, sollte man annehmen. Viele Krankheiten kommen erst nach einer kürzeren oder auch längeren Inkubationszeit zum Ausbruch. Hinzu kommt, dass Vögel gegenüber ihren Feinden (dazu zählt nun mal auch der Mensch) versuchen eine Krankheit so lange wie möglich zu verbergen. Ein äußerlich krank wirkender Vogel wäre in der Wildnis die erste Wahl für seine Fressfeinde, denn aufgrund des krankhaften Eindrucks wäre dieser eine leichte Beute. Einige verborgene Krankheiten bei den Vögeln sind heutzutage über das Blut oder Kotproben nachzuweisen. Einige Krankheiten sind durch wirksame Medikamente inzwischen auch gut heilbar.

Eine akute Bedrohung für die Agaporniden-Population stellen aber insbesondere das Circo- und Polyoma-Virus dar.

Das Circo-Virus wird durch den Kot ausgeschieden und übertragen, kann jedoch auch im Federstaub enthalten sein oder aber direkt durch den Kropfinhalt infizierter Vögel beim Füttern der Partner- oder Jungvögel weitergegeben werden. PBFD gilt als hoch ansteckende Krankheit und man geht inzwischen davon aus, dass die Viren auch indirekt, z.B. über die Kleidung des Halters übertragen werden können. Wenig Hoffnung bietet die Tatsache, dass ein Vogel, der mit dem PBFD-Erreger infiziert ist auch wirklich daran erkranken und im schlimmsten Fall schlußendlich an dieser Erkrankung sterben muss. Die Abwehrkräfte mancher Vögel bekämpfen das Virus so erfolgreich, dass es gänzlich wieder aus dem Körper entweicht und der Vogel in dieser Hinsicht als gesund gelten kann. Andererseits können die Abwehrkräfte eines Vogels das Virus derart eindämmen, dass der Vogel zwar nicht selbst erkrankt, aber dennoch geringe Mengen dieses Krankheitserregers in sich trägt. Ein solcher Vogel scheint zwar gesund zu sein, kann aber sein Leben lang andere Vögel mit diesem Virus infizieren. Auch besteht die Möglichkeit, dass dieser Vogel selbst zu einem späteren Zeitpunkt an PBFD erkrankt.
Eine Polyomavirus-Erkrankung ähnelt im Erscheinungsbild der PBFD. Bei Jungvögeln ist der Krankheitsverlauf dramatisch. Altvögel entwickeln oft eine gewisse Immunität gegen diese Erkrankung und zeigen keine Symptome. Solche Altvögel können jedoch als Virusüberträger andere Vögel infizieren und auf diese Weise zur Verbreitung dieser Krankheit beitragen.

Ein wirksames Medikament gegen diese Virenerkrankungen gibt es derzeit noch nicht. Diese beiden Virenarten lassen sich mittlerweile aber sehr zuverlässig über eine Blut- oder Federprobe nachweisen. Auf diese Untersuchungsmethode haben sich bereits einige privatgeführte Institute spezialisiert. Um einen sicheren Nachweis zu erhalten ist es ratsam, dass in einem Abstand von 4 bis 6 Wochen eine zweite Federproben zur Untersuchung eingereicht wird. Ist der Befund dann schließlich negativ kann das entsprechende Tier dahingehend als gesund gelten. Insbesondere bei einer Neuanschaffung sollte das Tier eine Quarantänezeit von zwei Monaten einhalten, um eventuell auch andere Krankheiten im Laufe dieser Zeit bei dem entsprechenden Tier festzustellen. Wir freuen uns im Institut für molekulare Diagnostik Bielefeld (IMBD) einen Partner für unser Projekt gefunden zu haben.